Mittwoch, 19. November 2014

Die Liebesevolution



Liebe geht durch den Wagen. Und wie im richtigen Leben ist es manchmal nur ein kurzer Flirt, andere Male eine eher komplizierte On-Off-Geschichte. Und dann wieder, vor allem wenn man es kaum bemerkt, wird daraus plötzlich diese langjährige, tiefe Zuneigung, mit all ihren Hochs und Tiefs. Und man blickt zurück und wundert sich: Wo sind all die Jahre hin? Dabei begann alles ganz unschuldig im Jahr 2000.



Es war in Strengelbach bei Zofingen, wo ein vulkangrauer, unrestaurierter Karmann Ghia Typ 34 von 1967 zum Verkauf stand. Mit Schiebedach und ohne Rost. Eine gute Stunde später und einen Kaufvertrag ärmer stand der Karmann dann bei Artek in Aarburg, wo sich Andy Siegrist fachmännisch um die MFK-Prüfung kümmerte.


Und weil die Karmänner das Werk mit einer derart unglücklichen Fahrwerkseinstellung verliessen, dass es dem Stance-Inspektor im Auge schmerzt, wurde diese alsbald korrigiert. Jetzt konnte man sich auch an der elf-Tanke blicken lassen.


Oder am Ufer des Lac d'Annecy in Doussard, wo im Mai 2001 ein idyllisches VW Meeting stattfand. Hierfür war allerdings eine weitere Fahrwerksoptimierung nötig – ergänzt durch einen Satz originale Sprintstars von Empi, im WG-Wohnzimmer fachgerecht mit Felgensilber lackiert.



In dieser Form wurde gecruist was das Zeug hielt. Zum Beispiel an der Cruise Night Fribourg. Hier Seite an Seite mit Dänu Bertschis supercleanem Vari.



Im August 2005 dann das böse Erwachen: Heftige Unwetter hatten in der Zentralschweiz einige Gewässer über die Ufer treten lassen, darunter die kleine Emme. Die Tiefgarage wurde bis unters Dach geflutet und der arme Ghia erhielt auf seine alten Tage erstmals eine Schlammpackung.



Mit der Hilfe von Marcel, Paolo und ganz viel Wasser fand der 34er wieder zu altem Glanz zurück. Und wurde danach zum Trocknen zur Seite gestellt – für 2 Jahre.



Erst im Februar 2007 war die Motivation gross genug, um den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen – erneut unter der Federführung des MH Speed Shop Herzogenbuchsee. Inklusive gründlicher Hohlraumversiegelung gegen künftige Wassereinbrüche.



Danach sah der Karmann plötzlich aus wie ein hellgrüner Käfer. – Ok, nicht ganz, aber Chrigels Ovali spendete sein Herz für die Wiederbelebung des 34ers.



Frisch erstarkt mit 1835 Kubizentimetern Hubraum und neuem sportlichem Räderwerk ging es zur Kur nach Italien.



Es folgte ein sehr glückliches Jahr mit kurzweiligen Ausfahrten und unterhaltsamen Treffenbesuchen.



Bis eine unaufmerksame SUV-Lenkerin erneut für einen Tiefpunkt in der inzwischen neun Jahre dauernden Romanze sorgte. Oder war der Motor etwa immer noch zu wenig spurtstark?



Einfach rauspolieren war nicht. Jetzt musste der Profi ran. Und der alte Lack runter.


Nackt aber glücklich.



Und zur Belohnung ging es auf den Furka. Spätestens nach der dritten Kurve aber holte einen die alte Erkenntnis ein: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen. Ausser durch mehr Hubraum.



Und da sich Paolo's Sturzkampfbomber gerade im Zuge der UN-Abrüstungsoffensive einer Entmilitarisierung unterzog, konnte die Leistungssteigerung schneller als gedacht umgesetzt werden.



So wurde das 2-Liter-Ovali-Triebwerk vom MH Speed Shop auf Flachmotorbauweise umgerüstet und zusammen mit einem stämmigen Rancho-Getriebe ins Heck des 34ers implantiert.



Endlich – wir schreiben das Jahr 2011 – war das von Heinrich Nordhoff schon 1967 versprochene Fahrvergnügen wieder da. Auch dank der neuen kräftigeren Bereifung und der entschärften Fahrwerksauslegung. Äh ja, man wird nicht jünger.



Doch man konnte es drehen und wenden wie man wollte – irgendwie blieb die Würze auf der Strecke. Der Alltragstrott war eingekehrt.



Und was tun Frauen, die sich in der Beziehung langweilen? Sie versuchen es mit einer neuen Haarfarbe.



Und so geht die wilde Fahrt immer weiter.... Auf die nächsten 14 Jahre!


1 Kommentar:

© International Musselschrupping hat gesagt…

Gute Fahrt mit dem schönen Wagen!
Grüße vom Ralli